Der Stückpreis hilft dir dabei, die Preise verschiedener Produkte und Verpackungsgrößen miteinander zu vergleichen. Doch nicht nur für Verbraucher:innen ist diese Kennzahl relevant. Auch im E-Commerce spielt sie eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Preisgestaltung und der Bewertung der Wirtschaftlichkeit einzelner Produkte.
In diesem Artikel erfährst du, wie man den Stückpreis berechnet, wie sich Stückpreis und Stückkosten unterscheiden und mit welchen Maßnahmen du deine Stückkosten reduzieren kannst.
Was ist der Stückpreis?
Der Stückpreis bezeichnet den Preis einer einzelnen Produkteinheit oder einer festgelegten Mengeneinheit. Er wird berechnet, indem du den Gesamtpreis durch die Anzahl oder Menge der enthaltenen Einheiten teilst. Dadurch kannst du verschiedene Packungsgrößen vergleichen und als Unternehmen Verkaufspreise nachvollziehbar kalkulieren sowie die Wirtschaftlichkeit deiner Produkte besser beurteilen.
Kosten pro Einheit vs. Preis pro Einheit
Obwohl die Begriffe Kosten pro Einheit und Preis pro Einheit häufig gleichbedeutend verwendet werden, beschreiben sie aus betriebswirtschaftlicher Sicht unterschiedliche Kennzahlen. Der wichtigste Unterschied liegt darin, ob du die Kosten für dein Unternehmen oder den Verkaufspreis für deine Kundschaft betrachtest.
Die Kosten pro Einheit, auch Stückkosten genannt, geben an, wie viel dein Unternehmen für die Herstellung oder Beschaffung eines einzelnen Produkts aufwendet. Dazu gehören beispielsweise Materialkosten, Produktionskosten und anteilige Betriebskosten. Diese Kennzahl ist besonders wichtig, um die Rentabilität deiner Produkte zu bewerten.
Der Preis pro Einheit beziehungsweise Stückpreis beschreibt dagegen den Betrag, den Kund:innen für eine einzelne Einheit bezahlen. Er enthält im Idealfall nicht nur die anfallenden Stückkosten, sondern berücksichtigt auch eine Gewinnspanne.
Ein Beispiel: Du betreibst einen Onlineshop für handgemachte Seifen. Die Herstellung einer Seife kostet dich einschließlich aller zugeordneten Kosten 4 €. Du verkaufst sie für 8 € netto. Deine Stückkosten betragen somit 4 €, während der Netto-Stückpreis bei 8 € liegt.
Die Differenz von 4 € entspricht deinem kalkulatorischen Gewinn pro Stück, sofern sämtliche relevanten Kosten berücksichtigt wurden.
Für die Preiskalkulation ist diese Unterscheidung entscheidend. Denn nur wenn du deine tatsächlichen Kosten kennst, kannst du einen Verkaufspreis festlegen, der langfristig rentabel ist.
Zusammensetzung der Stückkosten
Die Stückkosten setzen sich aus verschiedenen Kostenarten zusammen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen fixen und variablen Kosten sowie direkten und indirekten Kosten.
Fixkosten und variable Kosten
Fixkosten entstehen unabhängig davon, wie viele Produkte du herstellst oder verkaufst. Dazu zählen beispielsweise die Miete für Geschäftsräume, Versicherungen oder feste Softwaregebühren.
Variable Kosten verändern sich dagegen mit der Produktions- oder Absatzmenge. Produzierst du mehr Einheiten, steigen in der Regel auch die gesamten variablen Kosten.
Typische variable Kosten im E-Commerce sind:
- Material- und Rohstoffkosten
- Einkaufs- und Beschaffungskosten
- Produkt- und Versandverpackungen
- Mengenabhängige Produktionskosten
- Versand- und Fulfillmentkosten
- Transaktionsgebühren
Der Unterschied wirkt sich unmittelbar auf deine Stückkosten aus. Während die variablen Kosten pro Einheit bei gleichbleibenden Bedingungen konstant bleiben können, sinkt der Fixkostenanteil pro Stück, wenn du mehr Produkte herstellst.
Angenommen, dein Unternehmen hat monatliche Fixkosten von 2.000 €. Bei 500 produzierten Einheiten entfallen 4 € Fixkosten auf jedes Produkt. Erhöhst du die Produktionsmenge auf 1.000 Stück, reduziert sich dieser Anteil auf 2 €.
Dieser Effekt wird als Fixkostendegression bezeichnet. Er erklärt, warum größere Produktionsmengen häufig geringere durchschnittliche Stückkosten ermöglichen.
Direkte und indirekte Kosten
Neben der Unterscheidung zwischen fixen und variablen Kosten spielt auch die Zuordnung zu einzelnen Produkten eine Rolle.
Direkte Kosten, auch Einzelkosten genannt, lassen sich unmittelbar einem Produkt zuordnen. Dazu gehören beispielsweise das Material für eine Kerze oder der Einkaufspreis eines T-Shirts.
Indirekte Kosten beziehungsweise Gemeinkosten entstehen dagegen für mehrere Produkte oder für den gesamten Betrieb. Beispiele sind Verwaltungskosten, Lagermiete oder allgemeine Marketingausgaben.
Da diese Kosten nicht immer direkt einem bestimmten Produkt zugeordnet werden können, musst du sie mithilfe eines geeigneten Verteilungsschlüssels auf die einzelnen Einheiten umlegen. So erhältst du ein möglichst vollständiges Bild deiner tatsächlichen Stückkosten.
Wie berechnet man den Stückpreis?
Um den Stückpreis zu berechnen, benötigst du lediglich den Gesamtpreis und die enthaltene Produktmenge.
Die Formel lautet: Stückpreis = Gesamtpreis ÷ Anzahl der Einheiten
Bei Produkten, die nach Gewicht oder Volumen verkauft werden, kannst du entsprechend den Preis pro Kilogramm, Liter oder eine andere Mengeneinheit ermitteln.
1. Ermittle den Gesamtpreis
Zunächst bestimmst du den Gesamtpreis des Produkts oder der Verpackung. Das ist der Betrag, der für die gesamte angebotene Menge berechnet wird.
Ein Beispiel: Ein Set aus sechs Trinkgläsern kostet 24 €. Der Gesamtpreis beträgt somit 24 €.
2. Bestimme die Anzahl der Einheiten
Anschließend ermittelst du, wie viele Einheiten im Gesamtpreis enthalten sind. Das können einzelne Produkte, aber auch Gewichts- oder Volumeneinheiten sein.
Bei unserem Beispiel enthält das Set sechs Gläser. Die Anzahl der Einheiten beträgt also sechs.
3. Verwende eine einheitliche Maßeinheit
Möchtest du verschiedene Angebote miteinander vergleichen, müssen die Maßeinheiten übereinstimmen.
Wird beispielsweise ein Shampoo in einer 250-ml-Flasche und ein anderes in einer 500-ml-Flasche angeboten, kannst du beide Preise auf einen Liter umrechnen.
Nur so lässt sich feststellen, welches Produkt bezogen auf die enthaltene Menge günstiger ist.
4. Teile den Gesamtpreis durch die Anzahl der Einheiten
Im letzten Schritt dividierst du den Gesamtpreis durch die Produktmenge.
Für das Gläserset ergibt sich folgende Rechnung: 24 € ÷ 6 = 4 €
Der Stückpreis beträgt somit 4 € pro Glas.
Bei Produkten mit unterschiedlichen Füllmengen funktioniert die Berechnung ähnlich.
Angenommen, dein Onlineshop verkauft ein Körperpflegeprodukt in zwei Größen: Eine Flasche mit 250 ml kostet 8 €, während eine größere Flasche mit 500 ml für 14 € angeboten wird.
Um die Preise miteinander zu vergleichen, berechnest du den Preis pro Liter. Für die kleinere Flasche ergibt sich ein Literpreis von 32 € (8 € ÷ 0,25 Liter). Bei der größeren Flasche liegt er dagegen bei 28 € (14 € ÷ 0,5 Liter).
Obwohl die größere Flasche insgesamt mehr kostet, ist sie bezogen auf die enthaltene Menge günstiger. Für den E-Commerce ist diese Berechnung besonders relevant, wenn du unterschiedliche Produktgrößen, Sets oder Mengenrabatte anbietest.
Beachte außerdem den Unterschied zwischen Stückpreis und Grundpreis. Während sich der Stückpreis auf ein einzelnes Produkt beziehen kann, dient der Grundpreis dem Vergleich standardisierter Mengen wie Kilogramm oder Liter. Bei vielen Waren ist die Grundpreisangabe nach der deutschen Preisangabenverordnung verpflichtend.
Wie berechnet man die Stückkosten?
Die Stückkosten zeigen dir, wie viel die Herstellung oder Beschaffung einer einzelnen Produkteinheit kostet. Im Gegensatz zum Stückpreis geht es hierbei nicht um den Verkaufspreis, sondern um den Kostenaufwand deines Unternehmens.
Die allgemeine Formel lautet: Stückkosten = Gesamtkosten ÷ Produktionsmenge
Da sich die Gesamtkosten aus fixen und variablen Kosten zusammensetzen, kannst du die Formel auch folgendermaßen darstellen: Stückkosten = (Fixkosten + variable Gesamtkosten) ÷ Produktionsmenge
Alternativ kannst du die fixen und variablen Stückkosten getrennt berechnen und anschließend addieren.
1. Ermittle die gesamten Fixkosten
Angenommen, du betreibst einen Onlineshop und stellst Duftkerzen her. Pro Monat produzierst du 1.000 Kerzen.
Deine monatlichen Fixkosten umfassen eine Werkstattmiete von 800 €, feste Personalkosten von 1.200 €, Versicherungen in Höhe von 100 € sowie Ausgaben für Software und Verwaltung von 400 €.
Insgesamt ergeben sich daraus monatliche Fixkosten von 2.500 €. Diese Kosten fallen in unserem vereinfachten Beispiel unabhängig davon an, wie viele Kerzen du produzierst.
2. Berechne die variablen Kosten
Im nächsten Schritt ermittelst du alle Kosten, die unmittelbar mit der Herstellung und dem Verkauf einer Kerze verbunden sind.
Für jede Kerze benötigst du Wachs und Duftstoffe im Wert von 2 €, einen Glasbehälter und Docht für 1,50 € sowie Verpackungsmaterial für 0,80 €. Hinzu kommen variable Fertigungskosten von 0,70 € pro Kerze.
Damit ergeben sich variable Kosten von insgesamt 5 € pro Stück.
Bei einer monatlichen Produktionsmenge von 1.000 Kerzen berechnest du die variablen Gesamtkosten folgendermaßen: 1.000 × 5 € = 5.000 €
Die variablen Gesamtkosten betragen somit 5.000 € pro Monat.
3. Addiere die Gesamtkosten
Anschließend addierst du die fixen und variablen Kosten: 2.500 € + 5.000 € = 7.500 €
Die gesamten monatlichen Kosten für die Kerzenproduktion betragen damit 7.500 €.
4. Berechne die Stückkosten
Teile nun die Gesamtkosten durch die Anzahl der produzierten Kerzen: 7.500 € ÷ 1.000 = 7,50 €
Die Stückkosten betragen somit 7,50 € pro Kerze.
Damit weißt du, welcher Kostenbetrag durchschnittlich auf ein Produkt entfällt.
Für eine vollständige Kalkulation solltest du außerdem prüfen, ob weitere Kosten, beispielsweise für Versand, Retouren oder Zahlungsabwicklung, berücksichtigt werden müssen. Insbesondere im E-Commerce können diese Ausgaben erheblichen Einfluss auf deine tatsächliche Gewinnspanne haben.
Stückkosten und Gewinnmarge berechnen
Kennst du deine Stückkosten, kannst du darauf aufbauend einen geeigneten Verkaufspreis kalkulieren.
Angenommen, du möchtest mit jeder Kerze eine Gewinnmarge von 25 % auf den Nettoverkaufspreis erzielen. Die Formel lautet: Nettoverkaufspreis = Stückkosten ÷ (1 − gewünschte Gewinnmarge)
7,50 € ÷ (1 − 0,25) = 10 €
Der erforderliche Nettoverkaufspreis beträgt 10 €. Daraus ergibt sich ein kalkulierter Gewinn von 2,50 € pro Kerze.
Wichtig ist, die Gewinnmarge nicht mit einem Gewinnaufschlag zu verwechseln. Ein Aufschlag von 25 % auf die Stückkosten führt zu einem anderen Ergebnis als eine Gewinnmarge von 25 % auf den Verkaufspreis.
Eine genaue Kostenkalkulation hilft dir außerdem, deinen Break-even-Point zu bestimmen. Dieser zeigt, ab welcher Absatzmenge dein Unternehmen sämtliche Kosten deckt.
Stückkosten senken
Niedrigere Stückkosten können deine Gewinnmarge verbessern und dir zusätzlichen Spielraum bei der Preisgestaltung verschaffen. Entscheidend ist dabei, Einsparpotenziale zu identifizieren, ohne die Produktqualität oder Kundenzufriedenheit zu beeinträchtigen.
1. Produktions- und Bestellmengen optimieren
Größere Produktions- oder Bestellmengen können deine Stückkosten reduzieren. Einerseits verteilen sich fixe Kosten auf mehr Einheiten, andererseits bieten Lieferant:innen bei höheren Abnahmemengen häufig günstigere Konditionen.
Allerdings solltest du berücksichtigen, dass größere Warenbestände auch höhere Lagerkosten verursachen und Kapital binden. Eine höhere Bestellmenge ist deshalb nicht automatisch wirtschaftlicher.
2. Einkaufskosten reduzieren
Die Beschaffung von Rohstoffen und Handelswaren macht bei vielen E-Commerce-Unternehmen einen großen Anteil der Stückkosten aus.
Durch den Vergleich verschiedener Lieferant:innen, die Verhandlung von Einkaufskonditionen oder die Bündelung von Bestellungen kannst du möglicherweise günstigere Einkaufspreise erzielen.
Dabei sollten neben dem reinen Produktpreis auch Transportkosten, Lieferzeiten und Qualitätsstandards berücksichtigt werden.
3. Lagerhaltung und Versand verbessern
Eine effiziente Lagerverwaltung kann dazu beitragen, unnötige Kosten zu vermeiden.
Dazu gehören beispielsweise eine bedarfsgerechte Bestandsplanung, optimierte Lagerprozesse und geeignete Verpackungsgrößen. Auch der Vergleich unterschiedlicher Versandtarife kann Einsparpotenziale schaffen.
Gerade für Onlineshops ist es wichtig, die Kosten pro Bestellung zu kennen. Hohe Versandkosten oder häufige Retouren können die Rentabilität einzelner Produkte deutlich verringern.
4. Prozesse automatisieren
Wiederkehrende Aufgaben wie Bestandsaktualisierungen, Bestellabwicklung oder die Erstellung von Versanddokumenten können einen erheblichen Verwaltungsaufwand verursachen.
Durch geeignete Automatisierungen lassen sich manuelle Arbeitsschritte reduzieren und Fehler vermeiden.
In einem Shopify-Store können beispielsweise integrierte Funktionen und passende Apps dabei helfen, Bestellungen und Warenbestände effizienter zu verwalten. Dadurch kann der Verwaltungsaufwand pro verkaufter Einheit sinken.
5. Ausschuss und Retouren verringern
Nicht jedes produzierte Produkt wird zwangsläufig verkauft. Beschädigungen, Produktionsfehler oder unverkäufliche Waren verursachen zusätzliche Kosten.
Wenn du Ausschuss und Retouren reduzierst, verteilen sich deine Gesamtkosten auf einen größeren Anteil tatsächlich verkaufbarer Produkte.
Im E-Commerce können beispielsweise präzise Produktbeschreibungen, realistische Produktbilder und klare Größenangaben dazu beitragen, vermeidbare Retouren zu verringern.
6. Stückkosten regelmäßig überprüfen
Die Kosten für Rohstoffe, Transport, Personal und Energie können sich verändern. Eine einmalige Stückkostenberechnung reicht deshalb langfristig nicht aus.
Durch regelmäßige Kalkulationen erkennst du frühzeitig, wenn bestimmte Produkte weniger rentabel werden. Gleichzeitig kannst du beurteilen, ob Preisänderungen, neue Lieferkonditionen oder effizientere Prozesse notwendig sind.
Besonders bei einem wachsenden Onlineshop lohnt es sich, die Stückkosten für einzelne Produktgruppen getrennt zu betrachten. So wird sichtbar, welche Artikel besonders wirtschaftlich sind und wo Optimierungspotenzial besteht.
Fazit: Stückpreis und Stückkosten als Grundlage für rentable Preise
Die Berechnung des Stückpreises ermöglicht einen transparenten Vergleich unterschiedlicher Produkte und Verpackungsgrößen. Für Unternehmen ist darüber hinaus die Stückkostenberechnung wichtig, da sie die tatsächlichen Kosten pro Produkteinheit sichtbar macht.
Indem du fixe und variable Kosten vollständig erfasst und regelmäßig überprüfst, schaffst du eine verlässliche Grundlage für deine Preisgestaltung. Gleichzeitig kannst du Einsparpotenziale erkennen, deine Gewinnmarge verbessern und die Wirtschaftlichkeit deines Onlineshops langfristig sichern.




